Wie es wirklich war – Teil 2

Wie es wirklich war - Teil 2

Fortsetzung von Teil 1

Es sollte und durfte doch keiner wissen, wem er auf seinem Heuboden Quartier gewährt hatte. Noch war alles rings herum ruhig, noch waren die Nachbarn nicht unterwegs. Er nahm geschwind eine Brechstange und verpasste damit der Tür zur Futterkammer Einbruchspuren und er riss damit den Verschluss von der Tür zum Motorenhäuschen ab, so dass man dort ungehinderten Zugang hatte. Im Motorenhäuschen war der Benzinmotor des Bauernhofes untergebracht, er war mal der ganze Stolz von Andreas Gruber. Derzeit war er – also der Motor – aber schon wieder defekt und der Monteur, der schon lange bestellt war, ließ bereits wochenlang auf sich warten. In diesem Zustand war der Motor jedenfalls keine Erleichterung bei der Arbeit auf dem Hof. Vom Motorenhäuschen gingen nur kleine Löcher in den Stadel, durch die die Riemen liefen. Ein Mensch kam von hier aus nirgends hin, es war wie eine Sackgasse und da der Motorblock zu schwer zum Stehlen war, schien es Andreas Gruber keine große Gefahr, die Tür unverschlossen zu lassen, auch in diesen schweren Zeiten, in denen viel Gesindel, Hausierer und Verbrecher unterwegs waren. Angriff ist die beste Verteidigung, er würde nachher selber seine Nachbarn auf die Spuren aufmerksam machen und ihnen von den Einbruchspuren erzählen.

Wie es wirklich war - Teil 2

Und noch eine wichtige Mission hatte er zu bewältigen, seine Frau und Viktoria mussten informiert werden. Das würde wieder ein Gezeter geben. Insbesondere Viktoria war von seinen Geschäften gar nicht angetan, sie hatte Angst. Sie wollte weder etwas von den Waffenschiebereien wissen, die über den Hof liefen, noch wollte sie sich politisch auf eine Meinung festlegen lassen. Sie hatte Angst um ihre Kinder und Angst vor der Zukunft. Der Hof war für sämtliche Transaktionen vorbei am Auge des Gesetzes und unbehelligt von Blicken durch neugierige Nachbarn ideal, denn ein Pferdefuhrwerk oder ein Motorwagen konnte ganz schnell von Gröbern an Hinterkaifeck vorbei nach Schrobenhausen oder nach Brunnen oder von Brunnen nach Schrobenhausen oder nach Gröbern oder andere Strecken zurücklegen. Nie konnte jemand mit Sicherheit sagen, ob an Hinterkaifeck gehalten wurde und wenn ja, für wie lange Zeit. Das machte den Hof so ungemein interessant für die Waffenschiebereien, denn das Abladen oder Aufladen beanspruchte ja doch einige Zeit. Allein die Lage des Hofes führte ja schließlich dazu, dass Andreas Gruber trotz seiner Zuchthausstrafe in die örtlichen Gemeinschaft wieder voll integriert war. Er war sogar Mitglied der Einwohnerwehr Wangen und daher auch im Besitz eines Gewehres 98K.

Mit Teil 3 geht es weiter.

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