Waren es braune Bohnen?

Die Geschäfte der Brüder Schirovsky.

Die wenigsten Menschen konnten sich 1922 einen echten Bohnenkaffee leisten. Aus Feigen, Eicheln, Zichorien und verschiedenen Getreidesorten wurde Ersatzkaffee hergestellt. Die Andre-Hofer-Feigenkaffee-Fabrik verkauften in ganz großem Stil den koffeinfreien Muckefuck (von frz. mocca faux – falscher Kaffee) als Arme – Leute – Getränk. Das verlangen nach koffeinhaltigem Kaffee war damit freilich nicht gestillt, weshalb es nicht verwundert, dass die Nachfrage nach Rohkaffee im Deutschen Reich stieg. Die Kaffeegroßhändler Deutschlands erklärten, dass bei einem Grundzoll von 160 Mark pro Doppelzentner und dem am 1.März 1922 in Kraft tretenden Grundzollaufgeld von 4.400 v.H. Rohkaffee mit insgesamt 36 Mark und Röstkaffee mit 45 Mark Zoll das Pfund belastet würde. Ein Pfund Kaffee durchschnittlicher Güte, zu diesem Satz verzollt, würde dann unter Berücksichtigung des infolge der Geldentwertung hohen Wertes der Ware, der gleichfalls erhöhten Umsatzsteuer und sonstiger Spesen etwa 120-130 Mark kosten. Angesichts der beträchtlich gestiegenen Kaffeepreise und der schon jetzt bestehenden ungeheuren Zollasten seien übrigens selbst die kapitalkräftigen Einfuhrfirmen in Geldnot.

Gelegentlich einer gemeinsamen Geschäftsreise am 1.4. 22 wollten wir um die Mittagszeit zwischen 12 und 2 Uhr die Familie Gabriel in Kaifeck zwecks Bestellung auf Kaffee aufsuchen. Wir klopften wiederholt an die Fenster des Hauses und gaben auch Laut, es hörte aber niemand. Wir gingen dann ums Haus herum und schauten durch die Fenster in die Küche und Stallung, konnten aber keine Person wahrnehmen. Nur der Hund und das Vieh gab Laut. Alle Türen waren verschlossen, mit Ausnahme des Tores am Maschinenhaus, welches offen stand. Wir entfernten uns dann und machten im Dorfe über unsere Wahrnehmung den dortigen Bewohnern, so dem Herrn Siegl, der Familie Schlittenbauer hierüber Mitteilung. Irgendwelchen Verdacht gegen eine Person als Täter können wir nicht aussprechen.

(Auszug: Aussage Gebrüder Schirovsky vom 05.04.1922)

Die Gebrüder Hans und Eduard Schirovsky kamen aus Straubing, dort hatten sie ihren ständigen Wohnsitz. Die Aussage ist kurz, ob sie dass erste Mal in Hinterkaifeck waren oder schon öfters eine Kaffee – Bestellung aufnahmen geht aus der Aussage nicht hervor oder waren sie Mittelsmänner für was auch immer?

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