Autor: Martin

  • Die Schule in Umratshausen vor 100 Jahren

    Vor 100 Jahren wurde im Frasdorfer Gemeindeteil Umratshausen eine Schule gegründet. Und so sahen die Kinder damals aus:

  • Bauerhofmuseum in Amerang 2

    Irgendwie und Sowieso

    So hat man in den 60er, 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts noch in Bayern gelebt.

     
  • Hinterkaifeck, bekam Xaver Gabriel einen Brief?

    Das Geheimnis von Kaifeck gelüftet?

    Berliner Allgemeine
    Polizeipräsidium Berlin

    Im Januar 1935 schrieb die Berliner Allgemeine Zeitung über den Mordfall Hinterkaifeck. Die reißerische Überschrift lautet: Das Geheimnis von Kaifeck gelüftet? Der Korrespondent schreibt folgendes: „… Zuletzt richtete sich der Verdacht gegen den Mann der Frau Gabriel, der seit 1917 in Russland vermisst wurde. Seine Frau hatte dem im Feld stehenden Mann die Treue nicht gehalten und ihm nicht einmal auf seine Briefe geantwortet. Ihr jüngstes, ebenfalls ermordetes Kind, konnte nicht von ihm sein, und man nahm daher an, dass er nach seiner Entlassung aus der Gefangenschaft unerwartet zurückgekehrt sei und sich auf diese fürchterliche Weise für die Treulosigkeit seiner Frau gerächt habe, um sich nach der Tat heimlich wieder zu entfernen“. Ich habe in meinem schriftlichen Bericht an den Donaukurier auch erwähnt, Karl Gabriel habe nur zweimal nach Hause geschrieben. Woher ich dieses weiß, kann ich heute nicht mehr sagen. Wenn Gabriel 1914 schon in Frankreich gefallen ist, kann er später in Russland nicht mehr geschrieben haben. Ich habe weiter erwähnt, ein Bekannter des Gabriels habe diesem die häuslichen Verhältnisse in Hinterkaifeck nach Russland geschrieben. In dieser Sache kann ich nur angeben, dass der Landwirt Katzlmeier, mit dem Hausnamen zum Steierl in Wangen, etwa 55 Jahre alt, kurz nach dem letzten Kriege zu mir einmal gesagt hat, ein Hohenwarter habe den Karl Gabriel die Verhältnisse von daheim nach Russland geschrieben. Ich wollte damals schon von Katzlmeier den Namen des besagten Hohenwarters wissen. Er hat ihn mir aber nicht gesagt. Da nun aber Gabriel doch nachweislich 1914 gefallen ist, kann man ihm natürlich nichts nach Russland geschrieben haben. Ich habe nur das gehörte in dem Bericht für den Donaukurier verwertet.

    Anmerkung: Zur Aussage vom ehemaligen Waidhofner Gemeinde-Schreiber Dersch. Es dürfte sich um Josef Katzlmeier aus Wangen handeln, er war wie Xaver Gabriel an den Kämpfen am Stochod beteiligt. Xaver Gabriel wird seit dem 21. Juni 1916 vermisst, oder geriet er in russische Kriegsgefangenschaft. Außer Xaver Gabriel ist noch Bartholomäus Grosshauser seit dem 21.06.1916 vermisst. Nach dem Zusammenbruch des Zarenreiches und der Februarrevolution könnte er sich für eine demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern und ab August 1917 für eine Diktatur des Proletariats auf Basis von Arbeiterräten, in Russland Sowjets genannt, begeistert haben. Ob er in der Nachkriegszeit noch einmal Bayern besucht hat und einen Abstecher nach Hinterkaifeck unternommen hat, werden wir nie herausfinden.

    Auszug Kriegsstammrolle Katzlmeier

    Josef Katzlmeir war auch Mitglied der Einwohnerwehr Wangen.

    Katzlmeir

    Quelle; Aussage Xaver Dersch vom 11.12.1951

     

    Was nach der Oktoberrevolution im November 1917 alles möglich war, sollte die unteren Geschichten durchlesen.

    WBA; 1922

    Kriegsheimkehrer aus Sibirien

    München. Am Sonntag sind in München wieder 49 Personen, darunter 37 Kriegsgefangene, aus Russland eingetroffen. Die meisten Heimkehrer kamen aus Sibirien. Die aus Sibirien Kommenden haben in der Mehrzahl es nicht gerade schlecht getroffen. Nach der Revolution, so erzählten sie, waren sie auf sich selbst angewiesen. Wer arbeiten wollte und konnte, wer es verstand, zu handeln, der konnte Geld verdienen. Namentlich an dem an die Mandschurei stoßendem Gebiet entwickelten sich lebhafte Geschäfte mit den Chinesen, die Waren und Arbeitserzeugnisse mit ihrem Geld bezahlten. Einer der Heimkehrer, der in Tsingtau mitgekämpft hatte, war in japanischer Gefangenschaft: Er lobte das entgegenkommende Verhalten der Japaner. Ein anderer erzählte, dass er gelegentlich eines 14 tägigen Aufenthalts in Singapur die Wahrnehmung machte, dass die Inder sehr deutsch-freundlich waren. Kaufleute äußerten ihre lebhafte Freude, als sie deutsche sahen; wenn aber ein Engländer in den Laden kam, verstummte das Gespräch oder es wurde auf nichtige Dinge gebracht. Über die jetzigen Verhältnisse waren die Heimkehrer wenig unterrichtet. Sie meinten Deutschland und Russland stünden noch im Krieg und äußerten, dass Russland, Deutschland und Indien zusammenstehen müssten. Die Bolschewisten haben, so berichten die Heimkehrer, ihre Herrschaft auf Sibirien ausgedehnt. Wo sie kommen, wird es knapper. In den Städten haben sie Organisationen, die unter dem Befehl von Moskau stehen; auf dem Lande vermögen sie dagegen weniger Fuß zu fassen.

    (WBA 1922)

    42 Jahre in Sibirien gefangen

    Österreichischer Kriegsgefangener des Weltkrieges 1914/18 kehrte heim. Graz. Der 62 jährige Franz Napokoj kehrte nach 42 Jahren Gefangenschaft in Russland in sein Kärntner Heimatdorf Fürnitz zurück. Napokoj war 1915 während des ersten Weltkrieges, nachdem er bei Krakau verwundet worden war, in russische Gefangenschaft geraten. Er verbrachte den größten Teil seiner Gefangenschaft in verschiedenen sibirischen Lagern. Seine erste russische Frau und drei Kinder aus erster Ehe starben in Nowosibirsk. Der Kärntner Holzfäller heiratete zum zweiten Male eine Wolgadeutsche, die er mit seinen beiden Töchtern nach Österreich mitnahm. Napokoj erzählte, dass in Sibirien noch immer Kriegsgefangene aus dem ersten Weltkrieg leben. In Karaganda habe er zwei Österreicher aus dem Sudetengebiet getroffen, die bisher vergeblich um ihre Entlassung kämpften, da sie weder österreichische, deutsche oder slowakische Staatsbürger sind. Die Erlebnisse des Kärntners klingen wie ein Roman. Flucht aus dem Gefangenenlager, neuerliche Festnahme, Ausbruch der Revolution 1917, Schützengrabenbau für die rote Armee. Gründung einer Existenz in Nowosibirsk.

    Der Kärntner buk in Sibirien auf österreichische Art Brot und hatte in wenigen Jahren eine kleine Brotfabrik errichtet. Der Betrieb wurde 1925 enteignet.

    Kurz darauf wurde er als „kapitalistischer Ausbeuter“ zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt. Wieder flüchtete er und begann in Irkutsk unter falschem Namen ein neues Leben, nachdem seine erste Frau und deren Kinder in Nowosibirsk gestorben waren. Vergeblich versuchte er um Erlaubnis, nach Österreich zurückzukehren. Als der zweite Weltkrieg ausbrach, wurde er in einem Lager in der Nähe Karagandas interniert und in diesem Lager lernte er seine zweite Frau, eine Wolgadeutsche, kennen. 1947 wurde er aus dem Lager entlassen und heiratete. Sein neuerliches Ausreisegesuch wurde mit dem Bemerken abgelehnt, dass er ja durch seinen langen Aufenthalt in der Sowjetunion schon Russe geworden sei. Nach Abschluss des Staatsvertrages schrieb er an die österreichische Botschaft, die schließlich seine Heimkehr erwirkte.

    31.12.56

     
     
     
     
  • Ein Frauenmörder treibt in München sein Unwesen

    Der Münchner Landru

    Wir schreiben heute den 30. März 1955, es ist 09:15 Uhr, ein kalter, regnerischer Tag. In der Löwengrube endete das obligatorische Weißwurstfrühstück. Amtmann Schmid geht in seinem Büro auf und ab, hinter seinem Rücken tuscheln seine Untergebenen:

    „Da Chef hod heid wieder a Laune.“

    Aber Amtmann Schmid kreisen viele Gedanken im Kopf herum.

    „Mein Gott, die Wirscht wan a scho a moi besser, de liegn einem direkt im Magen.“ 

    Er geht zum Schrank, öffnet sein Geheimfach und holt eine Flasche Obstler heraus, schenkt sich ein Stamperl ein und auf Ex runter. Mei tut des gut, i g’lab de Wirscht hat da Kollege Zeilinger vom Metzger Strasser mit bracht, a so a Hallodri, aber in einem anderen Mordfall (Hinterkaifeck). Er geht zu seinem Schreibtisch, setzt sich auf seinen mit Leder bezogenen Stuhl für gehobene Beamte und wählt die Nummer 32168, am anderen Ende der Leitung meldet sich H.Schmitt. 

    „Du kim a moi eina, i hob mit dir wos zu besprechen?“ 

    Nach fünf Minuten klopft es an die Tür. Herein, ruft Amtmann Schmid, jetzt steht Oberkommissar Schmitt vor seinem Chef und schlägt die Hacken zusammen. Härn’s auf Schmitt de Zeiten San scho lang vorbei, wos, woid i ena glei no sog’n.

    „Ach ja, Hinterkaifeck ist nicht der einzige unaufgeklärte Mehrfachmord, Schmitt.“

    Wir haben schon noch andere Leichen im Keller, und macht die Schublade auf und holt eine graue Aktenmappe hervor. Das ist die Akte „Spitzbart“ Schmitt, wie Reingruber werde ich nichts in meinem Tagebuch schreiben.

    „Das i den Kruzifix nia dawischt hob, Kreizsakra“.

    Amtmann Schmid ist erregt, bekommt kaum noch Luft, ja 33 Dienstjahre bei der Kriminalpolizei fordern ihren Tribut. Schmitt nehmen sie die Akte, so wie ich sie damals vom Kriminal Schneidhuber bekommen habe. Servus. 

     

    Was stand in der Akte „Spitzbart“?

     

    Das Geheimnis des Spitzbarts

     
    Vier Frauen verschwanden – Eine ungewöhnliche Kriminalgeschichte.
     
    „Passen Sie mir auf den Spitzbärtigen auf“, sagte Amtmann Johann Schmid, bislang Chef der Münchner Mordkommission, zu seinem Amtsnachfolger Hermann Schmitt, als er jetzt nach 33 Dienstjahren bei der Kriminalpolizei in Pension ging. 400 Mörder hat der heute 65-jährige Kripobeamte zur Strecke gebracht. Aber den Fall des Spitzbärtigen, an dem sich schon seine Vorgänger die Zähne aus gebissen hatten, konnte auch er nicht klären. Und dabei ist er felsenfest überzeugt, dass dieser unheimliche Greis, der immer noch wie ein Gespenst durch München geistert, ein vierfacher Mörder ist. Die Akten dieses höchst merkwürdigen Kriminalfalles, die Amtmann Schmid jetzt an seinen Nachfolger weiterreichte, gehen bis ins Jahr 1917 zurück.
    Damals war in München eine 42-jährige Frau spurlos verschwunden. Ihr Mann wurde unter Mordverdacht verhaftet. Man stellte fest, dass er seine Frau öfters schwer misshandelt hatte und dass er kurz vor ihrem Verschwinden mit einem zugedeckten Handkarren in seinem Heimgarten gefahren war. Das ganze Grundstück wurde fünf Meter tief umgegraben. Aber man fand keine Leiche. Der Mann wurde freigelassen. Es war der Spitzbärtige.
     
    Im Jahre 1932 verschwand in München wieder eine Frau, die 41-jährige Schuhmachers Witwe Maria Moser. „Ich habe einen einflussreichen Herrn kennengelernt“, hatte sie noch ihrer Nachbarin mitgeteilt, „der will mir eine Stellung verschaffen.“ Im Münchner Ausstellungspark wurde sie zum letzten Male in Begleitung eines kleinen, hinkenden Mannes gesehen. Es war wieder der Spitzbärtige. Aber auch diesmal konnte ihm die Polizei nichts nachweisen.
     
    Im Jahre 1943 hatte zum ersten Male der Kriminalbeamte Johann Schmid, der damals schon Chef der Mordkommission war, mit dem Unheimlichen zu tun. Wieder war eine Frau, die Hilfsarbeiterin Julie Wenrich, vermisst gemeldet. Der kleine Mann mit dem Hinkefuß und dem grauen Spitzbart, der damals beim NS-, Volksbildungswerk arbeitete, war bei der Frau gut bekannt und hatte ihr öfters Karten für Lichtbildvorträge besorgt. Aber wieder musste er nach tagelangem Verhör freigelassen werden. Ein Jahr später verschwand die Kellnerin Margarete Schreier, Schmid stellte fest, dass in der Wirtschaft, in der die Vermisste gearbeitet hatte, der graue Spitzbart Stammgast war. Einmal hatte man beobachtet, wie er der Kellnerin am Abend heimlich folgte. Er hatte dabei sein Gesicht durch einen Wollschal vermummt und sich unter den Mantel einen künstlichen Höcker geschoben. Aber zu einem Mord gehört eben auch eine Leiche. Der Spitzbart blieb wiederum ungeschoren.
     
    Im Mai 1945, wenige Tage nach dem Einmarsch der Amerikaner, hörten die Gäste in einer Münchner Wirtschaft gellende Schreie vom oberen Stockwerk. Als sie in das Zimmer eindrangen, überraschten sie einen kleinen Mann, der gerade auf eine junge Frau eindrang. Es war der Spitzbärtige. Die Überfallene, die Zeitungsträgerin Maria Wiedmann, sagte aus: „Er hatte mich gebeten, ihm bei einem Experiment mit ultravioletten Strahlen zu helfen. Ich musste mich mit einem kleinen Metallspiegel in der Hand auf einen Stuhl setzen. Er nahm einige Drähte auseinander, deckte mir ein Tuch über den Kopf und löschte das Licht. Plötzlich erhielt ich einen Schlag auf den Hinterkopf.“
    Im Jahre 1946 wurde der Spitzbart vom Landgericht München wegen versuchten Mordes zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, aber schon nach fünf Jahren wegen guter Führung wieder entlassen. Vergeblich hoffte Amtmann Schmid, ihm endlich die Larve vom Gesicht reißen zu können. Vor einigen Monaten versuchte er es noch einmal mit einer Fahndungsmeldung:
     
    Von 1932 bis 1944 verschwanden in München drei Frauen auf rätselhafte Weise.
     
    Niemals mehr wurde von ihnen eine Spur entdeckt. Es darf angenommen werden, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sind. Sachdienliche Mitteilungen erwünscht. 
    Aber der kleine Mann mit dem grauen Spitzbart geistert weiter unbehelligt durch München. Er ist heute 77 Jahre alt. Wird er sein Geheimnis mit ins Grab nehmen, das Geheimnis, ein „perfekter Mörder“ gewesen zu sein? Immer wenn ihn der jetzt pensionierte Amtmann Schmid irgendwo in den Straßen trifft, höhnt der unheimliche Greis mit seiner meckrigen Stimme.
     

    „Weisen sie es mir doch nach.“

     
     

    Henri Désiré Landru

    der französische Spitzbart hatte nicht so viel Glück, er landete am 25. Februar 1922 unter dem Fallbeil.

    Landrus Opfer waren vor allem Frauen, die er über Heiratsanzeigen kennengelernt hatte. Mit diesen traf er sich und gab dabei vor, ein gut situierter Herr zu sein.

  • Doppelraubmord in Feichten

    Zum Doppelraubmord bei Feichten erfahren wir noch


    Die furchtbare Tat wurde mit einem Armeerevolver ausgeführt. Der oder die Mörder haben die beiden Mädchen, von denen eines noch schwache Lebenszeichen gab, auf
    dem Küchen Boden gebettet.(!) Sämtliche Schränke und Kästen waren durchwühlt, doch fanden die Mordbuben das in einem Geheimfach versteckte Geld nicht. AIs einer der Täter kommt ein ca. 30 Jahre alter Bursche mit hellem Stroh Hut und Rucksack in Betracht. 

    Wie wir weiter erfahren, war der mutmaßliche Mörder der beiden Bauerstöchter von Geberting bereits dingfest gemacht, aber es gelang ihm, in der Nähe von Nußdorf wieder zu entkommen.
     
    Nußdorf, den 20.Juni 1919
     
     Viehmarkt in Feichten an der Alz
    Mit den Morden in Geberting hat sich die frühere Kreisheimatpflegerin Maria Perreiter in den Bänden „Oettinger Land“, Ausgabe 4/1984 Seite 169 beschäftigt.