Mathias Kneißl

Der Lehrer nannte ihn eine „Zuchthauspflanze“, nach dem Motto, dein Weg ist schon vorgezeichnet. Es gab damals noch die Sonntagsschule, damit du ja nicht auf dumme Gedanken kommst. Für die Menschen gab es wenige Vergnüglichkeit, noch weniger für Dienstboten. Kneißl war sehr musikalisch, auch der Jagdtrieb von der schießwütigen Mutter ererbt, kam in den Wäldern um Unterweikertshofen zum tragen.

Über Kneißl wurde viel geschrieben, noch mehr gedichtet.

Martin

Es kann sich jeder sein Bild selber machen, im Internet stehen sehr viele Informationen. Ich möchte ein paar Dinge ansprechen die sie vielleicht noch nicht über Kneißl gehört oder gewusst haben.

Zwei Herren und eine Frau, die am letzten Montag Abends 9:00 Uhr auf der Heimfahrt von hier nach Hohenwart begriffen waren, begegneten auf der einsamen Land­ Straße zwischen Karlshuld und Niederarnbach einem Mann mit
einem Havelock (Bemerkung: War ein im 19. und noch im Anfang des 20. Jahrhunderts weit verbreitetes Herrenbekleidungsstück. Benannt wurde er nach Henry Havelock. Es handelt sich um einen Mantel, der zwar Armlöcher, aber keine Ärmel hatte, was einem Umhang entspricht. Unter dem Kragen war eine Ellbogen lange Pelerine befestigt, die die Oberarme bedeckte) und Flinte. Sofort stand bei ihnen fest, dass dies der Kneißl sei, und voll Schrecken trieben sie die Pferde zu rasendem Laufe an. Der Wagen stürzte bei der tollen Fahrt um, glücklicher Weise ohne dass die Insassen Schaden nahmen. In Niederarnbach erstatteten sie der Gendarmerie Anzeige und versetzten dadurch den ganzen Ort in Aufregung. Bei der sofort eingeleiteten Nachforsch­ung ergab sich, dass der vermeintliche Kneißl der von der Manchinger Treibjagd heimkehrende Bäckermeister Hieronymus Limmer, genannt der alte Hieron, war, der nun wohl von seinen guten Freunden noch einen weiteren Beinamen bekommen wird.

Der Genosse

Der Genosse des berüchtigten Räuber Kneißl, der sich in der nächsten Schwurgerichts-Periode wegen eines mit Kneißl an einem Bauern in Langquaid gemeinsam verübten Raubes zu verantworten haben wird, hat im hiesigen Landgerichtsgefängnis versucht, auszubrechen. Das Eisengitter am Fenster war bereits entfernt, als der Fluchtversuch entdeckt wurde. Der Bursche Namens Holzleitner wird jetzt streng bewacht.

Ein Genosse des Räubers Kneißl, der 24 jährige Tapezierer Erhard Holzleitner von Niederschneiding, und dessen Freund, der 29 jährige Tagelöhner Gagg von Wackenheim, wurden vom hiesigen Schwurgericht wegen zweier Raubüberfälle zu je 15 Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nach dreißig Jahren wird man noch einmal an den berüchtigten, im Jahre 1902 in Augsburg hingerichteten Kneißl erinnert. Bei der Verübung von Sittlichkeitsverbrechen an Kindern ist dieser Tage bei Laimering der Tagelöhner Holzleitner festgenommen worden. Der jetzt 58 Jahre alte Mann war an
mancher Untat des Raubmörders Kneißl beteiligt. Holzleitner hat wegen zahlreicher Einbrüche und Diebstähle im Bezirk Aichach den größten Teil seines Lebens hinter Gefängnismauern zugebracht. Auch jetzt wieder wird er verschiedener Einbrüche in der Gegend von Altomünster bezichtigt. Er war der Schrecken der Aichacher Gegend.

Johann und Lucie Vöst

Die wegen Begünstigung Kneißl verhafteten Gütlerseheleute Johann und Lucie Vöst von Unterschweinbach standen am Montag vor dem hiesigen Landgericht II. Außerdem noch eines Diebstahls angeklagt, wurde Johann Vöst zu 1 Jahr Gefängnis und fünf Jahren Ehrverlust, seine Frau zu 5 Monaten Gefängnis
verurteilt.

Max Hartl

Ein begeisterter Verehrer des Raubmörders Mathias Kneißl ist der vorbestrafte 20 jährige Tagelöhner Max Hartl in Vilshofen. Als bekannt wurde, dass das Todesurteil gegen den „Hias“ vom Prinzregent bestätigt worden war, erfasste ihn der Zorn, und er stach am 21.Februar in der Wohnung des Bäckermeisters Friedl in Vilshofen in das Bild des Regenten, wobei er die Worte äußerte:„Weilst den Kneißl nicht begnadigt hast, ersteche „ich dich“. Dann fügte er noch gemeine Schimpfworte bei. Hartl wurde nun wegen Regenten-Beleidigung zu 5 Monaten Gefängnis verurteilt.

Johann und Georg Vöst

Wie schon früher gemeldet, beunruhigten die Gebrüder Johann und Georg Vöst, bekannt aus den Kneißl Prozess, verschiedene Bewohner der Geisenhofer Gegend, die sich über ihren Freund Kneißl ungünstig geäußert hatten, zertrümmerten Fenster und misshandelten den Maurer Andreas Feuchtmayer in Aufhausen
schwer. Georg Vöst wurde zu einer Gefängnisstrafe von 9 Jahren, Johann
Vöst zur Gefängnisstrafe von 8 Jahren verurteilt.

Kneißl lässt sich 1900 von seinem Cousin Erhard Holzleitner zu einem Einbruch bei einem Hopfenbauern überreden. Mit dem Einbruch begann damals die tragische Karriere des Mathias Kneißl.


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