Verbrechen aus Bayern

Mord, Raub und andere Fälle

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Der talentierte Herr Steppi


In der Nacht vom 13. auf 14. November 1885 wurde in das Rentamts-Gebäude zu Schrobenhausen ein auf die Amtskasse ab gesehener, äußerst frecher Einbruch verübt. Durch gewaltsames Ausheben eines eisernen Fenstergitters mittelst eines starken Holzpfahles und Eindrücken zweier Fensterscheiben gelangte der Gauner in das Innere des Arbeitszimmers des königlichen Rentamts, in welchem die Amtskasse sich befindet. Der Versuch, in den Kassenschrank einzudringen, misslang an dessen Widerstandsfähigkeit. Auch das Einbrechen einer Schublade am Arbeitstische des Amtsvorstandes war von keinem günstigen Erfolge begleitet, und nachdem der Eindringling auch beim öffnen mehrerer anderer Schränke und Fächer keine Ernte machte, begnügte er sich im Überdruss über sein missglücktes Attentat mit der Entwendung eines Augenglases und zweier Bleistifte, wohl nicht ahnend, dass gerade diese geringfügigen Utensilien zum Verräter an ihm werden sollten. Das Entweichen eines äußerst sicherheits– gefährlichen Häftlings aus dortiger Frohnfeste (Gefängnis) in den jüngsten Tagen veranlasste das große Aufgebot einer großen Gendarmerie-Patrouille, und eine solche begab sich, mit Zivilisten verstärkt am 15. dieses Monats. auf die Suche nach dem Flüchtling. Mit allseitiger Freude die Kunde begrüßt, dass das gefährliche Individuum gefunden und wohl verwahrt wieder hinter Schloss und Riegel sitze. Die Festnahme desselben in einer Erdhöhle des kaum 2 Stunden von dort entfernten Gröbner – Forstes führte zur Entdeckung der entwendeten Gegenstände und ward hiermit der Beweis der Urheberschaft des Einbruchs geliefert. Mit dem Diebe wurde auch dessen Konkubine, eine erst vor kurzer Zeit wegen Landstreicherei abgestrafte Dirne, als der Mittäterschaft dringend verdächtig,eingezogen und dieses saubere Paar verflossenen Sonntag Mittags gefesselt eingeliefert.

Rosenheimer Anzeiger 24.11.1885_2

Artikel: Von der Paar – Rosenheimer Anzeiger 24.11.1885

Steppi 01

Ist Steppi in Neuburg oder in Schrobenhausen entsprungen?

Schrobenhausen-Amtsgericht-Kgl-Rentamt

Vielleicht bringen folgende Artikel etwas Licht in die Sache

Der berüchtigte,,neue Gänswürger’Theodor Steppi, lediger Dienstknecht von Strobenried, Amtsgericht Schrobenhausen, ist am 25. dieses Abends aus dem Landgerichtsgefängnis zu Neuburg a.D. wieder entsprungen. Kaum hatte sich die überraschende Kunde von dem wiederholten Entweichen des gefürchteten Theodor Steppi, genannt der,,Dori“ verbreitet, so hörte man auch schon wieder von einem Diebstahl, welcher wahrscheinlich vom,,Dori“ ausgeführt worden sein
dürfte. Während der Bauer Joseph Haas von Aresing mit seinem Hauspersonal in dem Stadel am 27.v. M. Getreide gedroschen hatte, schlich sich ein Dieb in das Haus, sprengte die Kästen auf und entnahm 56 M. Bargeld. Auch dem Kamin machte er Besuch und bepackte sich mit geräuchertem Fleisch, ohne den Bauern beim Dreschen zu stören. Das wahrscheinlich der,,Dori“ den Diebstahl ausführte, mag daraus zu entnehmen sein, weil er bei genannten Bauern schon einmal im Dienste stand und auch während seines Waldlebens nach dem ersten Ausbrechen aus der Frohnfeste sich dort etliche Schafe geholt hatte. Von den sehr vielen Diebstählen, welche „Dori“ in der Umgegend von Schrobenhausen und in dieser Stadt selbst ausführte, werden die meisten aus Furcht totgeschwiegen.

Seine Höhle aber gab Zeugnis von seiner Gefährlichkeit, den selbe war sehr gut eingerichtet mit lauter gestohlenen Gegenständen.

Selbstverständlich herrscht in dortiger Gegend große Angst, aber auch eine große Erbitterung gegen die ungenügende Bewachung solcher Verbrecher. Gegenwärtig müssen in jedem Dorfe des Bezirkes Schrobenhausen je acht Mann von Abends bis Morgens Wache halten, was bei dieser Jahreszeit gewiss nicht angenehm ist.

02.12. I 885


Unter außerordentlicher Andrang des Publikums vollzog sich in Neuburg an 12. März, die Verhandlung gegen den 28 jährigen Dienstknecht Theodor Steppi von Strobenried, der durch seine kühnen Raubzüge und mehrmaliges Entweichen aus der Gefangenschaft an die berühmte Gestalt des Mathias Klostermaier von Kissing, des sagenhaften bayerischen Hiasl erinnert. Steppi, der wegen Verdachtes unberechtigter Jagdausübung verhaftet war, entwich zunächst in der Nacht vom 5. auf 6.Oktober 1885 aus dem Amtsgerichtsgefängnis zu Schrobenhausen, verband sich sodann mit seiner Geliebten, der 18 jährigen Gütlerstochter Viktoria Kiermayer von Klingmoos – Sandizell, zum gemeinsamen zusammenleben in einer Höhle im Gröbener Forst, in der er sich vollkommen häuslich eingerichtet hatte und verübte von hier aus eine Reihe gewaltsamer Diebstähle, was ihn zum Schrecken der ganzen Gegend von Schrobenhausen machte. Am 15. November wurde er in seinem Schlupfwinkel von 8 Gendarmen festgenommen und am 16. November in das Neuburger Landgerichtsgefängnis eingeliefert, aus welchem er am 25. November wieder entkam. Nun verübt er neuerdings wieder verschiedene Diebstähle und war bei der Ausübung dieser Verbrechen stets mit geladenem Terzerol und langem Messer bewaffnet. Am 18. Dezember wurde er in einem Wirtshaus zu Sattelberg neuerdings verhaftet, bei welcher Gelegenheit er sich noch einer Berufsbeleidigung durch Beschimpfung des ihn festnehmenden Gendarmen schuldig machte. Steppi, welcher der ihm zur Last gelegten Handlungen größtenteils geständig, wurde wegen 10 Verbrechen des erschwerten Diebstahls und eines Vergehens der Beleidigung zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt, wegen des Vergehens der unberechtigten Jagdausübung jedoch freigesprochen; seine Konkubine, die der Teilnahme an mehreren dieser Handlungen beschuldigt war, erhielt wegen 7 Vergehen des schweren Diebstahls unter Annahme mildernder Umstände eine Gefängnisstrafe von 1Jahr 6 Monaten.

21.03.1886

Bernhard Gruber

Bernhard Gruber war Gütler aus Strobenried und verwaltete nach der Ermordung seines Bruders Andreas Gruber und dessen Familie, die Einöde Hinterkaifeck. Obwohl Andreas der älteste Sohn von Andreas Gruber sen. war, erhielt der zweitälteste Sohn Michael Gruber 1893 den elterlichen Hof. Was aus Theodor Steppi geworden ist, ist nicht bekannt.Es gibt noch viele Ungereimtheiten über dessen Herkunft und Abstammung.

Noch weniger ist bekannt, wer zur Steppi – Bande in der Umgebung von Strobenried gehörte und bei einigen nächtlichen Raubzügen dabei war. Auch wer den Gendarmen womöglich einen Tipp über den Aufenthaltsort Steppis im Gröbener Forst gab.

Steppi,Josef,Strobenried

Ansässigmachungs – Akte eines Joseph Steppi um 1870 in Strobenried.


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