
Unzucht, Unmoral und lasterhafte Menschen – die Tages- und Wochenpresse vor einem Jahrhundert hatte enorm viel zu berichten und über sündhaftes und auch verbrecherisches Treiben im Bereich der damals noch genierlich thematisierten Sexualität. Die Originalbeiträge, die für dieses Buch den zahlreichen österreichischen Zeitungen der zwanziger Jahre entnommen wurden, lassen erkennen, dass beide Geschlechter, obwohl oft im Beichtstuhl, insgeheim doch recht zügellos waren.
Ein schon sehr unnatürliches Familienleben degenerierter Menschen eines Gebirgsgaues beschäftigte das Gericht in Salzburg. In nicht öffentlicher Verhandlung stehen der Hilfsarbeiter Johann Kropf aus Eben im Pongau und seine beiden Töchter, die 27- jährige Brigitte und die 20-jährige Elisabeth, unter der Anklage der Blutschande. Die beiden Mädchen geben ihren wiederholten geschlechtlichen Verkehr mit dem 60-jährigen Vater ohne weiteres zu. der Vater jedoch will nur ausgeholfen haben, da die armselige Wohnung, ausgestattet mit nur einem Bett, den Besuch eines Liebhabers nicht ermöglicht hätte. Kropf, ein Vater von sechs Kindern, seine Frau ist ihm längst ausgekniffen, wird zu drei Monaten verurteilt. Von den Töchtern, die im Sommer 1920 bis März 1921 den unnatürlichen Verkehr gepflogen hatten, wurde Brigitte zu sechs und Elisabeth zu vier Wochen Kerker verurteilt. Vor dem Verlassen des Gerichtsaales versprachen sie Besserung.
Salzburger Wacht, 25.April 1921
Peter Rohregger schreibt von Dörflichen Eskapaden, großen und kleinen Unzuchtsverbrechen, von Kinderschändern – mit und ohne Priesterrock, von Notzucht und Vergewaltigung, Blutschande, sexuelle Orientierungen, Familienmorast, schamlose Kinder, verdorbene Jugend und über Moralapostel. Wer glaubt, die Welt vor über hundert Jahren sei in Ordnung gewesen, wird mit diesem Buch eines besseren belehrt. Der Spruch. „Das sind ja Zustände wie in Hinterkaifeck“ trifft auf dieses Buch zu, es wird nichts beschönigt noch schön geredet. Man sollte es lesen, und daraus die richtigen Schlüsse ableiten, ich kann es als Horizonterweiterung nur empfehlen

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