Wie wird man kriegstüchtig?

Rund 500 Soldaten sollten im bayerischen Erding bei der Operation „Marshal Power 2025“ für Bedrohungen hinter einer fiktiven Frontlinie, im sogenannten „rückwärtigen Raum“, trainieren, etwa gegen Drohnen, Sabotage oder „irreguläre Kräfte“.Das Großmanöver hätte jedoch um ein Haar tödlich geendet. Zunächst riefen Anwohner die Polizei, weil sie vermummte und bewaffnete Gestalten umher-schleichen sahen. Daraufhin wurde ein Großaufgebot, einschließlich Spezialeinsatzkommando (SEK) und Hubschrauber, in Bewegung gesetzt. Die Feldjäger der Bundeswehr hielten dies wiederum für den im Manöverablauf vorgesehenen „feindlichen“ Angriff und eröffneten das Feuer mit ihren mit Platzpatronen geladenen Waffen. Dieser Vorfall ist typisch für dieses einerseits überbürokratisierte, anderseits dysfunktionale Land, in dem zwar alles zwanghaft geregelt wird, aber trotzdem -oder deswegen- die linke Hand nicht mehr weiß, was die rechte tut.


Die Gattin musste robben

Ziemlich sonderbare Angewohnheiten haben den 40jährigen Anton jetzt vor’s Schöffengericht München-Land gebracht.Es machte ihm Spaß, zu Hause Feldwebel zu spielen. Seine Frau war seine „Mannschaft“ und die gute Stube der beiden wurde kurzerhand zum Kasernenhof erhoben, auf dem der groteske häusliche 08/15- Betrieb durchgeführt wurde.

Schon ehe der aus dem Böhmerwald stammende Anton zur Wehrmacht eingezogen wurde, hatte er seinen kriegerischen Neigungen freien Lauf gelassen. Verbotenes Werfen mit harten Gegenständen gegen unschuldige Fenster, gefährliche Körperverletzung, Hausfriedensbruch, Waffenmissbrauch, Fischdiebstahl und Landfriedensbruch kam damals schon auf sein Schuldkonto. Während des Krieges lernte Landesschütze Anton eine Frau mit einer recht brauchbaren Erbschaft kennen, die er nach dem Kriege heiratete. Anfangs war es eine ganz glückliche Ehe gewesen, aber als das deutsche Wirtschaftswunder begann, wurde auch Antons Lebenselixier, der braune Gerstensaft, wieder dicker eingebraut. Immer zu mitternächtlicher Stunde ließ der durch Bier gekräftigte Anton seine Kommandostimme durch die Wohnung dröhnen:

„Aufstehen!“, „Hinlegen!“ usw. Die Arme Frau robbte nun auf Befehl durchs Zimmer, machte mit dem Besen Gewehrübungen, kniete auf Holzscheiten und machte Kniebeugen und Freiübungen. Alles des lieben häuslichen Friedens willen. Jetzt wurde die Ehe geschieden und Anton zu acht Monaten „Bau“ verdonnert, abzubüßen in der Strafanstalt Stadelheim.


WA, Dienstag 21. Dezember 1954

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