Call-Girl Ring

oder ich brauch was zum Beiss’n

Ich möchte nicht gerade behaupten, dass wir in Bayern etwas brüte sind, die Münchner Gesellschaft wusste schon um die Jahrhundertwende in Schwabing zu feiern und die Bacchusfeste nicht Bachfeste waren legendär. Auch ein GI aus Amerika besuchte München und als die Wagenkolonne am Marienplatz anhalten musste, stieg er kurzerhand aus dem Auto aus, was Passanten natürlich sofort bemerkten. Bevor es zu einem Auflauf kommen konnte, ging die fahrt weiter ins Moulin Rouge. Im Moulin Rouge gab es das beste Programm Bayerns, Weltstars! Sexbomben! Strip-tease-Serie a la Paris, Schönheitsdänze, Varieteprogramm und Laufstegrevue, also alles was das Herz begehrt. Der junge Mann aus Amerika spielte so unbekannte Titel wie Heartbreak Hotel, Hound Dog und Always on My Mind, heute eher vergessen. Kam auch Otto Normalverbraucher auf seine Kosten herrschte unter 32168 Konjunktur die ganze Nacht?


Die Münchner Polizei gab die Aufdeckung eines nach ihren Angaben gut organisierten und abgesicherten Call-Girl-Rings bekannt. Mehrere ehemalige Straßendirnen, die zum Teil auch jetzt noch ihrem Beruf nachgingen, hätten den Ring aufgezogen und im Stadtzentrum sowie in Schwabing elegant möblierte Wohnungen gemietet, wo ihre „Mitarbeiterinnen“ auf telefonische Vereinbarung „Kunden“ empfangen hätten.

In der Regel standen die Call-Girls, unter dehnen sich auch mehrere verheiratete Frauen befanden, von deren „Nebeneinkommen“ die Ehemänner keine Ahnung hatten…..

nach dem Bericht der Polizei von elf bis zwanzig Uhr für gut zahlende Kunden zur Verfügung. Die Honorare wurden an die jeweilige Kupplerin gezahlt, die ihrerseits die Call-Girls nach Gutdünken auszahlte. Dass es bei diesem Gehaltsmodus zu Streitigkeiten kam, erleichterte der Polizei ihre Aufgabe bei der monatelangen Beobachtung etwas. Da sich aber die Ringmitglieder untereinander nur mit Vor- und Spitznamen kannten, und durch Klingelzeichen gewarnt wurden, wenn vor den Appartements „die Luft nicht rein“ war, hatte die Polizei eine äußerst schwierige Aufgabe zu lösen. Wenn ungebetene oder unvorhergesehene Besucher in der jeweiligen Wohnung kamen, so berichtete die Polizei, saßen die Mädchen bei einer Strickarbeit und erklärten treuherzig, sie gehörten einem geselligen Zirkel an, der sich mit hausfraulichen Arbeiten beschäftigte. Die Polizei wollte nicht mitteilen, wie viele Frauen und Mädchen an dem Ring beteiligt gewesen und ob Verhaftungen vorgenommen worden sind. Auch über eine eventuelle „Kundenkartei“ wurde am Donnerstag noch Stillschweigen gewahrt.

Wir schreiben das Jahr 1958, und so mancher Prominenter wäre Christlich zum Abschuss freigegeben worden. Im Fall von Rosemarie Nitribitt erhielten die Freier eine Einladung am Sonntag und sie konnten durch den Hintereingang gehen. Heute ist das ganz anders, aber manchmal wenn ich sowas schreibe, sind meine Gedanken ganz woanders.


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