Nach dem ersten Weltkrieg mussten durch den Versailler Vertrag sämtliches schweres Kriegsgerät abgeben oder unter alliierter Kontrolle vernichtet werden. In Bayern gab es einige unbekannte Waffenlager, die in Burgen, Schlössern, Gutshöfen, Schulen, Gemeindeämtern und Bauernhöfen eingerichtet wurden. Vor allem kam durch die Reichswehr viel Kriegsmaterial zu den Einwohner-wehren. Auch nach Auflösung der Einwohner-wehren im deutschen Reich im Sommer 1920 bestand die Einwohnerwehr in Bayern noch ein Jahr weiter. Ein Nachkomme eines Nachbarn der Hinterkaifecker glaubte, in der Waidhofner Kirche diente der Beichtstuhl als Ort für konspirative Zusammenkünfte und Absprachen.

Das Volk sieht nichts
Bund „Bayern und Reich“
Nach Auflösung der Einwohnerwehren 1921 gegründeter paramilitärischer Dachverband mit engen Kontakten zur Reichswehr. Unter dem Vorsitz von Otto Pittinger (bis 1926), Otto von Stetten und Robert Ritter von Xylander (bis 1929) entwickelte sich der Bund bis Mitte 1922 zur stärksten paramilitärischen Vereinigung in Bayern. Er vertrat föderalistisch-monarchische Ziele, war im Herbst 1923 an den Vorbereitungen eines Marsches auf Berlin beteiligt, zerfiel langsam nach 1923 und ging 1929 im „Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten“ auf.
Die militärische Oberleitung des Bundes „Bayern und Reich“ benötigt bis spätestens 10.November 1923 eine genaue Bestandsmeldung über das gesamte im Bezirke lagernde Kriegsmaterial (Infanterie-Gewehre, leichte und schwere Maschinengewehre, Geschütze,Munition,Feldküchen etc.).
Ich bitte die Herrn Wehrführer sich am Donnerstag, den 08.November 1923 Vormittags 10.30Uhr im Gasthaus Vogg-Bräumichl zu einer Bestandsmeldung finden zu wollen.
Gleichzeitig erlaube ich mir bekannt zugeben, dass innerhalb der Bezirksämter: Aichach, Friedberg und Schrobenhausen zur Bekämpfung innerer Unruhen ein Freiwilligen Bataillon „Paargau“unter Führung des Freiherrn von …………………. aufgestellt ist.
Mit treudeutschem Gruß
……………
Führer der 2. Kompanie des Bataillons „Paargau“
Mathias Vogg
Mathias Vogg vom Gasthaus Bräumichl war am 11.März 1914 Zeuge, als der Hof Hinterkaifeck an Viktoria Gabriel überschrieben wurde.

Militärische Kontrolle auf unbestimmte Zeit?
Nach Erklärungen der ‚Times‘ hat die englische Regierung ihre Zustimmung zu dem von Mitgliedern der interalliierten Militärkontrollkommission ausgedrückten Wunsch gegeben, wonach die militärische Kontrolle in Deutschland noch während einer unbestimmten Zeit fortzusetzen ist. Nach einer Londoner Havasmeldung stützt sich dieser Entschluss Englands auf die jüngsten Waffenfunde und die geheimen Waffenlager.
(Berliner Tageblatt am 22. Februar 1922)
Zwei Zeitungsartikel aus dem Jahr 1922
München. Vor dem Volksgericht München I fand Verhandlung gegen den pens. 29 jährigen verheiratete Volkschullehrer und Schriftsteller Rudolf Wolff von Nennhausen, BA. Dachau, und den 30 Jahre alten verheirateten Ingenieur bzw. Feinmechaniker Frz. Hemberger von Erding wegen eines Verbrechens des Landesverrats bzw. Beihilfe hierzu statt. Es handelt sich um den Verrat von Heeresgut an die Entente (Mai 1920) in Höhe von mehreren Millionen Mark. Wolff wurde zur Zuchthausstrafe von 15 Jahren, Hemberger zur Zuchthausstrafe von 6 Jahren und je 10 Jahren Ehrverlust verurteilt.
(14.03.1922)
Hart bei Traunstein, 6 Oktober 1922. Zwei Offiziere der Entente, die einen genauen Situationsplan hatten, holten da hier aus einem Versteck mehrere hundert Gewehre hervor. Ein feiger Deutscher verriet um einige Silberlinge an Fremdländische sein Heimatland; hoffentlich wird er entdeckt, damit er seinen verdienten Lohn empfangen kann. Die eine erfreuliche Erscheinung an der Affäre ist, dass die von den Entente-Offizieren beschlagnahmten Gewehre noch vor dem Bahnversand wieder gestohlen wurden.
(11.10.1922)
Freiheit“ und der „Vorwärts“, die Zeitungen der beiden sozialdemokratischen Parteien, berichten darüber:
„Waffenlager der Orgesch. Waffenfunde und Waffenschiebungen“
„Waffenfunde in Frankfurt a. M.“
„Waffenlager in Cottbus“
„Die Prenzlauer Waffenfunde“
„Reichswehr und Waffenverschiebung. Geheime Waffenlager bei Görlitz“
„Wieder ein Waffenlager entdeckt!“
„Die Potsdamer Waffenschieber“
„Orgesch entlarvt! Das Geständnis eines Offiziers. Diebstahl beschlagnahmter Waffenlager. Bewaffnete Geheimverbindungen überall“
„Waffenlager in Schöneberg. Das Rathaus mit der schwarz-weiß-roten Fahne“
„Entdeckung eines Waffenlagers“
„Ein Waffenlager bei Brandenburg“
Ein parteiübergreifender Wehrkonsens sorgt dafür, dass auch die Demokraten über die illegale Aufrüstung hinwegsehen. 1927 richtet die Reichsregierung unter dem Zentrumspolitiker Wilhelm Marx sogar einen Ausschuss ein, der aufpassen soll, dass die illegale Aufrüstung nach den Regeln des ordentlichen Haushaltsrechts abläuft.
Noch 1930 wurden bei einem Kommunisten Waffen ausgehoben, scheinbar standen die roten Brüder den braunen Brüdern in nichts nach, je nach Quellenlage ist von Unterschiebung von Waffen die Rede.



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