Johann Berchtold

Münchens schlimmster Frauenmörder um die Jahrhundertwende.

Am 15. Feb­ru­ar 1896 fand Georg Fürst, Sta­tion­skom­man­dant der 6. Münch­n­er Gen­darmerie Brigade, auf Anzeige der Köchin Pauline Pfef­ferl in der Karl­straße Nr. 33 die Leichen von Julie und Car­o­line von Roos sowie von deren Köchin Maria Gradl. Die Öffentlichkeit spekulierte in ver­schiedene Rich­tun­gen: Zum einen ver­mutete man einen dreifachen Selb­st­mord, zum anderen dachte man an einen Unglücks­fall, denn auf dem Küchen­tisch war ein Fläschchen mit der Auf­schrift “Arsenik” gefun­den wor­den. Die Obduk­tion ergab jedoch ein­deutig, dass die drei Frauen erdrosselt wor­den waren. Dem­nach muss die Köchin Maria Gradl den Mörder, den sie offen­sichtlich kan­nte, ahnungs­los in die Woh­nung ein­ge­lassen haben. Als sie ihn ger­ade ihrer Her­rin melden wollte, erwürgte er sie von hin­ten auf dem Kor­ri­dor. Durch das Geräusch aufmerk­sam gemacht, ging Car­o­line von Roos aus dem Wohnz­im­mer in den Kor­ri­dor, erhielt dort einen Schlag auf die Stirn und wurde anschließend mit einem Tuch oder der bloßen Hand erstickt.

Anschließend stieß der Täter im Schlafz­im­mer auf Julie von Roos, die er eben­falls erwürgte. Bei der polizeilichen Durch­suchung des Tatortes wurde fest­gestellt, dass neben 800 Mark in bar auch zahlre­iche Pfand­briefe der Bay­erischen Hypotheken- und Wech­sel­bank fehlten. Somit wurde als Motiv Raub­mord fest­gestellt. Da die Roos ein sehr zurück­ge­zo­genes Leben geführt, das Haus nur sel­ten ver­lassen hat­ten und auch unbekan­nten Per­so­n­en niemals geöffnet wurde, konzen­tri­erten sich die Ermit­tlun­gen zunächst auf die näheren Ver­wandten, da der Täter ohne Gewal­tan­wen­dung hat­te ein­drin­gen kön­nen. Allerd­ings mussten alle infrage kom­menden Per­so­n­en als Täter aus­geschlossen wer­den. Einiger­maßen rat­los, gaben Hin­weise seit­ens der Bevölkerung den fest­ge­fahre­nen Ermit­tlun­gen der Gen­darmerie einen neuen Impuls.

Der Tis­chler Eras­mus Ringler machte auf der Sta­tion der Brigade des 17. Bezirks die Aus­sage, dass er den Mau­r­er Johann Berch­told aus Schwabing verdächtige. Gerücht­en zufolge habe er seine Hand bere­its bei der Ermor­dung der Frau Emet­skofer in der Quel­len­straße und des Johann Schnei­der am Paulan­er Platz im Spiel gehabt. Ein Nach­weis war indes bis­lang nicht gelun­gen. Den Ver­dacht glaubte er deshalb haben zu dür­fen, da Berch­told für die Instal­la­tions­fir­ma Holz­mann & Co. im ver­gan­genen August im besagten Haus Karl­straße Nr. 33 die Mau­r­erar­beit­en in dem Klos­ett besorgt hat­te und deshalb über genaue Ortsken­nt­nisse ver­fügte.

Ein am sel­ben Tag einge­gan­gener anonymer Brief bei der Polizei­di­rek­tion äußerte diesel­ben Ver­dachtsmo­mente. So wurde am 21. Feb­ru­ar 1896 Johann Berch­told festgenom­men. Allerd­ings fehlte der ein­deutige Nach­weis der Täter­schaft, denn mehr als Indizien kon­nten nicht beige­bracht wer­den und Berch­told war nicht zu einem Geständ­nis zu bewe­gen. Ab 1. Okto­ber 1896 fand vor dem Schwurg­ericht beim Landgericht München I, der Prozess gegen Berch­told statt. Als Indizien­be­weise gegen ihn wur­den ver­schiedene Umstände ange­führt, vor allem, dass seine Fam­i­lie, die bis zum Zeit­punkt des Mordes in dürfti­gen Ver­hält­nis­sen gelebt hat­te, plöt­zlich über ansehn­liche Mit­tel ver­fügte. Fern­er spiel­ten die Aus­sagen der Zeu­gen, die Berch­told im und vor dem Haus gese­hen haben woll­ten, eine erhe­bliche Rolle. Das Resul­tat der 14-tägi­gen Ver­hand­lun­gen war, dass Berch­told am 14. Okto­ber 1896 zum Tode verurteilt, am 28. März 1897 aber zu lebenslänglichem Zuchthaus beg­nadigt wurde. Berch­told beteuerte immer wieder seine Unschuld, auch nach sein­er Verurteilung.

Sein Recht­san­walt Dr. von Pan­nwitz ver­suchte, die Wieder­auf­nahme des Ver­fahrens zu erre­ichen, da er eine neue Zeu­g­in benen­nen kon­nte, die Berch­told zur Tatzeit in Schwabing gese­hen haben wollte. Der Antrag fand jedoch keine Zus­tim­mung, und obwohl es immer wieder zu Zweifeln an der Glaub­würdigkeit einiger Zeu­gen kam, wurde das Ver­fahren niemals neu aufgerollt. So ver­büßte Berch­told seine Strafe zuerst im Gefäng­nis am Anger und ab 1. April 1897 im Zuchthaus in Kaisheim, wo er am 18. August 1925 ver­starb.

Johann Berchtold
Johann Berch­told

Quelle: Krim­i­nalfälle (19./20. Jahrhun­dert) | bavarikon

München, 1. Okto­ber. Der dreifache Raub­mord in der Karl­straße zu München, jene grausige Tat vom 14. Feb­ru­ar dieses Jahres, welche nicht nur durch die Zahl ihrer Opfer, son­dern auch durch ihre geheimnisvolle Aus­führung weit über München hin­aus das größte Auf­se­hen erregt hat­te, ver­set­zt durch die Schwur-gerichtliche Ver­hand­lung die Gemüter in neue Aufre­gung und wohl sel­ten ist ein ähn­lich gelagert­er Fall in den Annalen der Krim­i­naljus­tiz zu verze­ich­nen. Der Tatverdächtige Mau­r­er Johann Berch­told wurde endlich nach langer Unter­suchung vor die Geschwore­nen ver­wiesen, welchen die schwere Auf­gabe zuge­fall­en ist, darüber zu entschei­den, ob die seit­ens der Anklage­be­hörde mit großer Umsicht und großem Fleiß zusam­menge­tra­ge­nen Ver­dachtsmo­mente aus­re­ichend sind, um ein Schuldig über den Angeklagten auszus­prechen. 210 Zeu­gen sind vorge­laden. Der Prozess nahm heute seinen Anfang. Als der Präsi­dent die Haupt­frage an Berch­told richtete, ob er sich der ihm zur Last fal­l­en­den Ver­brechen schuldig bekenne, antwortete er mit
kräftiger Stimme: „Ich bekenne mich nicht schuldig!“ Unter den zu dem Sen­sa­tion­sprozesse aus­gelosten Geschwore­nen befind­et sich auch der Herr Gast­wirt Dantl von Wasser­burg.
03.10.1896

München. Der am Mittwochabend wegen des dreifachen Raub­mordes an der Karl­straße und des Dieb­stahles an Emet­skofer zum Tode und drei Jahren Gefäng­nis verurteilte Mau­r­er Johann
Berch­told hat in der Nacht zum let­zten Sam­stag in sein­er Zelle in der Anger­frohn­feste einen Aus­bruch ver­sucht. Berch­told hat­te sich am Fre­itag unter dem Vorgeben, dass er durch die let­zten 14-tägi­gen Stra­pazen gän­zlich erschöpft sei und ärztliche Hil­fe bedürfe, zum Arzt gemeldet. Wahrschein­lich wollte er hier­durch eine gerin­gere Bewachung sein­er Per­son erzie­len.

Nachts begann Berch­told nun nach der let­zten Vis­i­ta­tion mit­tels eines Stück­es Holz, das er sich zu ver­schaf­fen gewusst hat, den stein­er­nen Sock­el des in sein­er Zelle befind­lichen Ofens zu bear­beit­en, wobei ihm natür­lich seine Ken­nt­nisse als Mau­r­er sehr zu stat­ten kamen. Es gelang ihm indessen nur, den Ver­putz wegzureißen; sein ferneres Bemühen, den Ofen zu zertrüm­mern und als dann in den Kamin, durch densel­ben auf das Dach und von hier mit­tels des Blitz­ableit­ers auf den Boden zu gelan­gen, scheit­erte an der dem Berch­told unbekan­nten Art der Ein­mauerung des Ofens. Am Sam­stag früh wur­den die Spuren sein­er nächtlichen Arbeit ent­deckt. Über sein Begin­nen ver­nom­men, gab Berch­told an, die Verzwei­flung über sein unver­di­entes Schick­sal habe ihn zu diesem Schritte ver­an­lasst. Er habe nur die Frei­heit gewin­nen wollen, um sich in der Isar zu ertränken.
21.10.1896

In München gab es immer schon Staran­wälte, Wal­ter von Pan­nwitz machte sich einen Namen durch große Straf­prozesse, ich glaube, er ver­trat auch Math­ias Kneißl. Er war kün­st­lerisch sehr begabt, war mit Lud­wig Thoma befre­un­det und ich denke, die Schwabinger Bac­chus­feste tat­en ihr Übriges.

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